Auch das Jahr 2009 verspricht ein Erfolgsjahr des kroatischen Bootstourismus zu werden. Die Küstenregion dieses Landes, das im letzten Jahr offiziell den Status eines EU-Anwärterlandes erworben hat, nimmt schon seit geraumer Zeit einen festen Platz in den Herzen vieler Europäer ein - in den Herzen von Menschen, die das Meer und die Natur lieben, in den Herzen von Bootstouristen, die in den hiesigen Gewässern ihre Begeisterung für die Seefahrt ausleben können. Ist erst einmal die Grenze, die uns von Osterreich oder Deutschland trennt, abgeschafft, wird man zu Recht sagen können, dass Kroatien den europäischen Kontinent mit dem Mittelmeerraum verbindet.
Tatsächlich stellt Kroatien ein ideales Reiseland für Segler dar, denn 1775 Inseln, Inselchen und Klippen, eine 5790 km lange Küstenlinie sowie - last but not least - die blaue Adria mit ihrem glasklaren Wasser bieten absolut alles, was des Seglers Herz erfreut. Vor dem größten Teil des Festlandufers reihen sich in kurzen Abständen Inselketten mit seglerisch interessanten Kanälen, Meerengen und Gewässer mit Binnensee-Charakter aneinander. Sowohl am Festland als auch auf den Inseln findet man zahlreiche Buchten, die nicht nur sichere Schutzhäfen sind, sondern bis heute in ihrer natürlichen Unberührtheit daliegen; höchstens ein einsames Fischer- oder Bauernhäuschen lässt hier und da auf menschliche Präsenz schließen. Diese Vielgestaltigkeit eröffnet schier unerschöpfliche Variationsmöglichkeiten bei der Wahl der Segelroute, aber auch sichere Liegemöglichkeiten für Schlechtwettertage. Über 1500 kleine und große Buchten, verteilt auf Festland und Inseln, laden zum Festmachen oder Ankerwerfen ein - idealer kann es für Bootsfahrer nicht sein! Damit sind übrigens nicht nur Segler gemeint, sondern auch Motorbootfahrer und Sportangler. Alle Ziele sind gut erreichbar, und so fällt es nicht schwer, für jeden Tag eine neue Route zu finden. Der gewundene Küstenverlauf, Meeresströmungen und lokale Winde machen das Navigieren in den kroatischen Inselgewässern zu einem interessanten Erlebnis.
Das Landschaftsbild ändert sich während der Fahrt immer wieder - zum Teil ganz plötzlich. Einige Uferabschnitte sind fast unbesiedelt und von der unbarmherzigen Winter-Bora praktisch kahl rasiert, wie zum Beispiel die Nordseiten der Inseln Rab und Pag. Die Südhänge hingegen sind meist deutlich anmutiger und begrünter, was umso ausgeprägter ist, je weiter man in Richtung Süden fährt. Wenn man gerade noch - wie vor Lastovo oder Jakljan - an einem dichten Pinienwald vorbeigefahren ist, der sich bis zum Ufersaum drängt, bietet sich dem Auge im nächsten Augenblick möglicherweise nur noch der Blick auf Macchia und Karstgestein. Mediterrane Städte liegen ebenso auf der Route wie verträumte Fischerdörfchen. Und dann gibt es natürlich noch jene verschwiegenen Buchten, in denen nicht mehr als zwei bis drei Häuschen zu entdecken sind...
Zahlreiche antike Hafenbefestigungen, die man auf dem Meeresgrund gefunden hat, zeugen davon, dass die Tradition der Segelschifffahrt im adriatischen Raum weit zurückreichende Wurzeln hat. In Bezug auf den Segeltourismus ist aber erst in den letzten 20 Jahren richtig Schwung in die Sache gekommen, denn in dieser Zeit wurden nicht nur zusätzliche Liegeplätze hergerichtet, sondern es entstanden zahlreiche neue Marinas. Allein im letzten Jahr wurden zwei neue Marinas eröffnet, eine in der Ortschaft Funtana zwischen Porec und Vrsar an der istrischen Westküste, die mit 150 Liegeplätzen aufwarten kann, und die andere in Kastel Gomilica, wenige Kilometer nordwestlich von Split. Kastel Gomilica hat 400 neue Liegeplätze und bietet sich als idealer Auslaufhafen für Toms ins dalmatinische Inselreich an, das sich hier von seiner schönsten Seite zeigt.
Doch damit ist es nicht getan: In Sutomiscica auf der Insel Ugljan wurde der Grundstein für eine neue Marina gelegt, und in Novigrad/Istrien sind die Bauarbeiten an der neuen Marina in vollem Gange. Zahlreiche andere Marinas werden im Moment renoviert, um ihre Gäste in der kommenden Saison mit einer modernisierten Infrastruktur und einer erweiter ten Angebotspalette zu erwarten.
Da der Aufschwung des Segeltourismus für Kroatien einen hohen wirtschaftlichen Stellenwert hat, ist auch in Zukunft mit dem Bau neuer Marinas zu rechen. Aber auch an den bereits vorhandenen Anlegebereichen des Festlands und der Inseln hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan: Sie wurden modernisiert und sind zum großen Teil standardgemäß ausgestattet. Einige verfügen auch über sanitäre Anlagen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die sowohl quantitative als auch qualitative Verbesserung der Serviceleistungen. Dazu kommen noch zahlreiche Geschäfte, Restaurants und Cafés, die unmittelbar an der Uferpromenade liegen. In den vergangenen drei bis vier Jahren wurden in vielen Buchten Konzessionen zum Anbringen von Festmachebojen vergeben. Dadurch werden die Liegeplätze zwar einerseits kostenpflichtig, andererseits aber auch sicherer; außerdem entstehen auf diese Weise pro Bucht zusätzliche Liegeplätze.
Zum Glück haben aber auch diejenigen Segler, die freie Ankerplätze bevorzugen, an der kroatischen Küste kein Problem, eine Bucht ihres Geschmacks zu finden.
Abschließend noch ein Wort zur Adria im Allgemeinen: Da sie wie jedes Meer ihre Gefahren birgt, ist eine solide Kenntnis über ihre Windsysteme, Gesetzmäßigkeiten und Eigentümlichkeiten die Grundvoraussetzung für einen sicheren und gelungenen Törn. Normalerweise sind die Wetterbedingungen in der Hauptsaison für Bootssportbegeisterte günstig. Mit Starkwinden hat man überwiegend im Winter zu kämpfen, während im Sommer schwache bis mäßige Winde an der Tagesordnung sind. Auf dem offenen Meer hat man es vor allem mit der Tramontana und dem Maestral zu tun, während in Küstennähe tagsüber der Maestral und nachts der Burin weht. Alle diese Winde sind bei Seglern sehr beliebt - was übrigens auch für den Levanat gilt. Starker Jugo kommt im Sommer eher selten auf, und selbst die Bora ist in der warmen Jahreszeit nicht ganz so biestig wie sonst. Trotzdem sollte man vor ihr auf der Hut sein, genauso wie vor sommerlichen Unwettern und dem aus Süd-Südwest wehenden Garbin.