Der Norden Dalmatiens – Herausforderung für einen Yachturlaub
Über mangelnde Auswahl an Buchten kann man in Norddalmatien nicht klagen. Wie die Dinge stehen, wird sich daran - zumindest in der nächsten Zeit auch nichts ändern. Das umstrittene Projekt „100 Häfen in 100 Buchten" des nun schon ehemaligen Bauministers Radimir Cacic, das ein flächendeckendes Angebot von Marinas und eine damit einhergehende Betonverbauung von Uferzonen vorsah, ist nämlich fürs erste ad acta gelegt.
So können sich passionierte Bootssportler auch weiterhin an der natürlichen Schönheit der dalmatinischen Buchten erfreuen. Allerdings auch die diversen Pächter. Die für die Buchten zuständige Regionalverwaltung hat diesen nämlich in den vergangenen Jahren das Recht auf Nutzung und Gebührenerhebung erteilt. Auch wenn die Kritik am Anfang groß war, muss gesagt werden, dass das neue System auch seine Vorteile hat.
Außer einer erhöhten Sicherheit am Liegeplatz bringt es teilweise mehr Sauberkeit mit sich, da einige Pächter sich die Mühe machen, den Müll einzusammeln und zu entsorgen. Ein dritter und nicht unerheblicher Vorteil besteht darin, dass im Notfall immer jemand zu Diensten ist. Aber eines ist klar: All jenen, die einsame Ankerplätze suchen, stehen schwere Zeiten bevor. Vielleicht sollten sie für ihren Törn den August meiden und eher auf die Nebensaison ausweichen, aber dann kann es natürlich passieren, dass das Wetter nicht so warm und stabil ist.
Die norddalmatinischen Ankerbuchten von Kakan, Zirje, den Kornaten und Dugi otok, sind außergewöhnlich. Sicher hat die Inselwelt vor Sibenik schönere Plätze zu bieten als die Potkucina-Bucht, welche von den beiden vorgelagerten Inselchen fast völlig abgeriegelt und in eine Art große Lagune verwandelt wird. Dennoch herrscht hier ein besonderes und ruhiges Flair. In der Mitte weist die Bucht zwar eine Maximaltiefe von 26 m auf, aber überall in Ufernähe ist es flacher und somit auch angenehm zum Ankerwerfen. Selbst im Sommer ist die Potkucina-Bucht nicht bewohnt: Es gibt weder ein Haus noch ein Restaurant noch einen Laden. Und gerade das macht sie so reizvoll, für jemanden der wirklich mal ausspannen will.
Die seewärts gelegenen Buchten der kaum bewohnten und nicht besonders attraktiven Insel Zirje lassen die meisten Segler, wenn sie von Primosten, Rogoznica oder aus den mitteldalmatinischen Gewässern kommend Kurs auf die Kornaten nehmen, zumeist an Steuerbord passieren. Bis zur Kornaten-Gruppe müssen von hier aus aber noch 15 sm zurückgelegt werden, und so bietet es sich für jemanden, der es erst am späten Nachmittag bis hierher geschafft hat, eigentlich an, sich in einer der beiden Stupica-Buchten ein nettes Plätzchen zu suchen, zu entspannen, zu baden und am nächsten Tag den Rest der Strecke in Angriff zu nehmen. Dasselbe gilt für jene, die von den Kornaten nach Vis oder Solta wollen, denn sie müssen von Zirje aus einen noch wesentlich längeren Schlag bewältigen und sollten die Stupica-Buchten als willkommenen Ruhepunkt begrüßen. An Orientierungspunkten fehlt es hier nicht. Von den Kornaten kommend, sieht man schon vor der Umrundung von Rt Grasnjak, also ehe man in die Bucht Vela Stupica einsteuert, eine auf der Anhöhe Kamena glavica thronende Ruine, eine ehemalige Festung des römischen Kaisers Justinian (6. Jh.). Wer in Primosten oder Sibenik gestartet ist, also aus nordöstlicher Richtung kommt, erreicht zunächst die Bucht Mala Stupica und sieht auch hier als erstes diverse Befestigungsanlagen. Sie dienten der ehemaligen Jugoslawischen Volksarmee als Beobachtungsstände und waren der Grund dafür, dass die Bucht bis zum Krieg in den 90er-Jahren Sperrgebiet war. Heute trifft man hier außer Seglern ab und an einen Fischer. In der Nachbarbucht Vela Stupica ist immer erheblich mehr los. In ihrem Westausläufer, der mit Wassertiefen von 10 m immer schon als guter Ankerplatz bekannt war, sind seit einigen Jahren Vertäubojen angebracht. Auch ein Restaurant steht hier zur Verfügung.
Diese weiträumige und äußerst populäre Hafenbucht gehört zum Kornaten-Archipel, ist aber nicht Teil des Nationalparks. Ihren Bekanntheitsgrad verdankt die Bucht der gleichnamigen Marina, die im nordwestlichen Buchtteil untergebracht ist. Erfreulicherweise gibt es aber auch Ankerplätze zuhauf, obwohl es für manche Segler wohl eher eine Notlösung darstellt, wenn sie sich im August wegen der hoffnungslos überfüllten Marina einen Anker- oder Bojenplatz suchen müssen. Weitere Ankerplätze gibt es im südöstlichen Buchtarm Sarucica.
Bei Ankerfreunden noch beliebter als die Hafenbucht Zut ist die Hiljaca-Bucht, vielleicht weil es hier weit und breit keine Marina gibt und man sich dadurch nur durch Ankerwerfen einen Liegeplatz erobern kann. Die Hiljaca-Bucht besteht aus drei Teilbuchten — Sabuna, Dragisina und Pristanisce -, die von Norden durch die lang gestreckte Halbinsel Maslinovica und von Osten durch die Inselchen Gustac, Velika Bisaga sowie Mala Bisaga geschützt werden. Als Ankerplatz empfiehlt sich ganz besonders die Sabuna-Bucht, wo man entweder das Eisen bei einer Wassertiefe von 10-15 m auswirft oder an einer der Bojen festmacht.
Solange es die unweit gelegene Marina Piskera nicht gab, war immer wieder die Rede von einem Segelzentrum auf der Kornateninsel Lavsa. Da die Lavsa-Bucht ein hervorragender Naturhafen ist - eigentlich der beste des gesamten Kornaten-Archipels -, finden ihn auch Bootstouristen als Nachtliegeplatz attraktiv. Für die saisonal hier lebenden Bewohner war und ist aber nicht nur der sichere Bootshafen von Interesse, sondern auch der fruchtbare Inselboden, und so gibt es am Ufer der Lavsa-Bucht eine etwas „dichtere" Bebauung von zehn Häusern. Davor verteilen sich kleine Hafenbecken und Anleger sowie ein paar Boote vor Anker - ein Kornater Idyll par excellence. Dass hier Restaurants nicht fehlen, versteht sich von selbst. Zwei stehen im Hauptteil der Bucht und ein weiteres in einem kleinen Seitenarm am Buchteingang.
Im Sommer wird es in dieser Bucht reichlich eng, denn dann liegen bis zu dreißig Boote vor Anker. Ein weiterer Nachteil ist die durch die Abgeschlossenheit der Bucht schwache Wasserzirkulation, was eventuell den Spaß am Baden etwas mindern kann.
Lavsa hat zwei Buchten und zwei Restaurants. In der am Nordufer gelegenen Levrnaka-Bucht befindet sich die Hauptpier. Da diese Bucht sogar in Ufernähe ausreichende Wassertiefen bietet, gehen hier auch große 30-m-Yachten vor Anker. Vor allem am Südwestufer werden viele von ihnen auch mit Heckleine festgemacht. Vor dem Nordufer sind Nationalpark-Bojen verankert. Es gibt aber auch Bootsanleger. Der eine befindet sich im Buchtende vor dem Restaurant „Levrnaka". Der zweite Anleger gehört zur Gaststätte „Antonio", einer schlichten Taverne – von den Einheimischen auch Konoba genannt. Wem der Sinn nach einem Abendessen steht, hat also die Wahl zwischen „Levrnaka" und „Antonio", wobei ersteres ein wenig vornehmer ist. Die zweite Inselbucht liegt an der Südseite und hat denselben Namen wie jene auf Smokvica: Lojena. Tagsüber ist das Ankern in dieser Bucht sehr angenehm, zumal sie einen kleinen weißen Badestrand hat. Auf Levrnaka soll es Gerüchten zufolge viele Nagetiere geben, die, wenn sie einmal auf ein Boot gelangt sind, große Schäden anrichten – also, Vorsicht kann nie schaden.
Diese lang gezogene, in direkter Nähe zu den Kornaten gelegene Bucht ist sicher der bekannteste Ankerplatz der Adria. In ihrem hintersten Bereich birgt sie einige wundervolle Teilbuchten, in denen man durch die beiden vorgelagerten Inselchen Gornji Skolj und Donji Skolj, sowie durch die Halbinsel Zaglavic und die Landzunge Oslji Rt besonders geschützt liegt. Darüber hinaus bildet die Halbinsel Raknic einen Schutzriegel für den gesamten westlichen Buchtabschnitt. Wer in die Telascica-Bucht einfährt, sieht Buchten an sich vor beiziehen, die durch ihre Abgeschlossenheit fast Binnencharakter haben. Wie viele es insgesamt sind, sieht man nur auf der Karte - es sei denn, man hat das Glück, auf einem Rundflug alles von oben bewundern zu dürfen.Ausgehend vom nordwestlichen Buchtende bieten sich die ersten Ankergelegenheiten noch vor den beiden Skolj-Inseln, und zwar in den Buchten Magrovica, Podugopolje und Pasjak. Sie sind allesamt ziemlich seicht - mehr als 5,5 m Wassertiefe ist nicht drin -, und so besteht die größte Gefahr darin, dass man bei Unwettern möglicherweise über zu flachem Grund liegt. Allerdings stellen bei Unwettern auch Algen eine Gefahrenstelle dar, denn sie können dazu führen, dass das Eisen nicht ausreichend hält.
In der Magrovica-Bucht steht ein Restaurant; von hier aus führt eine Straße über den Inselrücken zum 3 km entfernten Ficherort Sali. Auch die östlich von Gornji skolj gelegene Draginjevica-Bucht eignet sich mit einer Wassertiefe von 6 m als Ankerplatz. Am beliebtesten ist jedoch die Mir-Bucht (dt. Friedensbucht), vor deren Ufern sich bis Rt Tripuljak eine Boje an die andere reiht [WT 10 m). Die Bucht ist so ausgezeichnet vor allen Winden geschützt, dass man nach dem Festmachen an einer Boje getrost das tun kann, was alle tun: Mit dem Beiboot in Richtung Restaurant-Pier fahren, wo es tagsüber von Touristenbötchen nur so wimmelt, und dann einen Spaziergang zum Salzsee Mir unternehmen, der als eine der Hauptattraktionen von Dugi otok die Fotoseiten so mancher Monografie ziert. Aber auch ein Gang in die andere Richtung ist mehr als lohnend, denn hier gelangt man durch einen Kiefernwald zu den Klippen der Steilküste, die über 150 m senkrecht ins Meer stürzen.
Auch in Brbinj auf Dugi otok findet man einen Ankerplatz wie aus dem Bilderbuch. Schon beim flüchtigen Vorbeifahren wirkt er ansprechend. Wer sich aber die Zeit nimmt, am Fuße der bewaldeten Halbinsel Koromasnjak anzulegen, taucht in ein regelrechtes Sinnenbad ein - Bilder, Düfte und Geräusche, wie sie nur das Meer schenkt, dazu dichter Wald, felsige Uferränder und das unaufhörliche Zirpen der Grillen. Natürlich ist dieses Kleinod schon seit langem entdeckt - auch seine kommerzielle Nutzbarkeit in Bezug auf Bootssportler. Parallel zum Uferverlauf liegen folglich Bojen aus. Wer einen Bojenplatz ergattert hat, muss zusätzlich mit Heckleine am Ufer festmachen. Viel Platz hat man hier nicht, aber mit ein wenig Glück erwischt man einen netten Bootsnachbarn. Wenn alles festgezurrt und gesichert ist, ist entweder ein Bad fällig, oder man begibt sich auf Entdeckungsreise in die Bucht mit ihren insgesamt drei Ausläufern. Der Weiler Brbinj im westlichen Seitenarm hat ein Postamt, einen Laden und ein Restaurant. Da alle drei vom Postboten und seiner Frau gemanagt werden, braucht man sich nicht zu wundern, wenn im Erdgeschoss, wo das Ladenlokal untergebracht ist, plötzlich ein Postbote vom ersten Geschoss herunterkommt, um die Kundschaft zu bedienen. Im südlichen Buchtbereich, wo der Ausläufer Striznja abzweigt, sieht man außer einem Anleger auch einige Häuser, die modern und - entgegen jeder Erwartung trotzdem recht hübsch anzusehen sind. Da die Gesamtlänge der überall gut windgeschützten Brbinj-Bucht nur 0,5 sm beträgt, kann man jeden ihrer Winkel problemlos mit dem Beiboot erreichen.
So überschaubar klein die Brbinj-Bucht, so ausladend, ja fast golfähnlich ist die Pantera-Bucht. Man fühlt sich hier geradezu in tropische Meeresgefilde versetzt. Denn in der Pantera Bucht liegt die Lagune eines jener ringförmigen Korallenatolls. Passend dazu grenzt im Südosten die türkisblau schimmernde und mit einem Sandstrand lockende Sakarun-Bucht an. Die Pantera-Bucht, die in der Landessprache wegen ihrer Größe „Golf" genannt wird, ist ringsum windgeschützt. Als natürlicher Nordwest-Wellenbrecher fungiert eine sichelförmig gebogene Landzunge, die sich an einigen Stellen zu einem schmalen sandigen Landsteg verschmälert. Die südliche Uferbegrenzung bildet eine lang gestreckte, mehrere hundert Meter breite Halbinsel mit dichtem Kiefernbestand, auf deren seewärts gerichtetem Ufer der markante Leuchtturm Veli rat steht. Weiter im Buchtinnern, in südöstlicher Richtung, verengt sich die Bucht auf nur etwas mehr als 100 m. Hier findet man auf der Südseite die kleine Siedlung Veli rat und gegenüber am Nordufer das Dörfchen Verunic, Letzteres mit Geschäften und Restaurants.
Natürlich ist während der Hochsaison auch in der Pantera-Bucht ziemlich viel los, aber im Unterschied zu anderen Buchten, wo sich Boot an Boot drängelt, hat man hier zwischen sich und dem nächsten Nachbarn immer genügend Luft. Von den Anlegern führt ein schöner, von Kiefern überwölbter Spazierweg zum Leuchtturm. Wenn gerade kein Andrang herrscht, hat man gute Chancen, ihn besteigen zu dürfen. Dies sollte man ausnutzen, denn von oben hat man einen wunderschönen Rundblick von Veli rat über die wie auf einem Handteller präsentierte Pantera-Bucht bis zur Südwestküste von Dugi otok, die sich - irgendwo in Richtung der Kornaten – im Dunst verliert.
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